Was ist ein EAN Code und was besagen eigentlich die Striche?

Auf praktisch keinem Produkt aus dem Einzelhandel fehlt der Balken mit den dünnen Strichen und der Nummer darunter. Der EAN-Code, auch als Strichcode oder Bar-Code bezeichnet, hat dem Handel den Umgang mit Waren aller Art wesentlich erleichtert. An der Kasse wird er einfach und schnell eingescannt, was das mühsame Eintippen einzelner Preise überflüssig gemacht hat. Wenn die Kasse Teil eines Warenwirtschaftssystems ist, wird zugleich auch der Lagerbestand aktualisiert und, je nach System, auch gleich automatisch eine Nachbestellung ausgelöst. Dies wird möglich, weil der EAN-Code jeden Artikel eindeutig und unverwechselbar kennzeichnet.

EAN – Wer steckt dahinter?

EAN ist die Abkürzung für European Article Number, also europäische Artikelnummer. Vergeben wird diese Nummer heute gegen Gebühr von einer privat verwalteten Organisation mit dem Namen GS1, der für „Global Standards One“ steht. Diese Firma ist die Nachfolgerin der „European Article Association“, die ursprünglich für die EAN-Nummern zuständig war. Diese wiederum hat die Idee der Artikelnummer vom US-amerikanischen Universal Product Code – UPC – übernommen und 1977 in Europa eingeführt. Doch während in Amerika seit 1973 ein Code mit zwölf Ziffern verwendet wird, hat der EAN-Code 13 Stellen. UPC-Nummern können durch Voranstellen einer Null in das europäische System übernommen werden.

Seit 2009 gibt es mit der GTIN, der „Global Trade Item Number“, einen Nachfolger für die europäische EAN-Nummer. Mit 14 Stellen ist sie noch etwas vielseitiger. Die Bezeichnung EAN hat sich aber im täglichen Umgang erhalten und wird weiterhin genutzt. Auch die GTIN wird vom GS1 mit seinen internationalen Niederlassungen in ca. 100 Ländern verwaltet.

Was macht den EAN-Code so praktisch?

Weil die Nummer einen Artikel exakt kennzeichnet, werden viele Prozesse im Einzelhandel vereinfacht. Vom Einkauf über die Logistik, die Lagerhaltung und die Präsentation im Laden bis hin zum Abrechnen lassen sich mit dem EAN-Code zahlreiche Arbeiten automatisieren. Auch die früher üblichen Preisschilder an den Waren sind heute praktisch verschwunden, weil der EAN-Code sie überflüssig gemacht hat. Dank dieser Vorteile hat er auch im internationalen Warenverkehr vieles leichter und effizienter gemacht. Denn die eindeutige Nummer ist in fast allen Ländern akzeptiert.

Möglich wird die Arbeitserleichterung, weil die EAN-Nummer einfach in den bekannten Strichcode übersetzt werden kann. Dieser ist maschinenlesbar, zum Beispiel mit den Scanner an der Kasse. Wichtig zu wissen: Die EAN-Nummer kann zwar einfach als Strichcode dargestellt werden, aber nicht jeder Strichcode ist eine EAN-Nummer!

Die Größe des Barcodes, der auf dem Produkt angebracht wird, sollte 3,72cm x 2,59cm betragen, damit er vom Scanner optimal erfasst werden kann. Geringe Abweichungen von diesen Idealmassen sind möglich, vor allem größer kann er problemlos dargestellt werden. Für besonders kleine Artikel kann auch die kürzere EAN-8-Nummer genutzt werden, die weniger Fläche benötigt.

Mit verschiedenen Onlinetools und Apps kann über die Eingabe der EAN-Nummer auch nach Informationen zu dem entsprechenden Artikel gesucht werden.

Was wird in der EAN-Nummer codiert?

Der Aufbau der EAN-Nummer ist klar geregelt. Man unterscheidet die Basisnummer aus sieben bis neun Ziffern, in der das Land und das Unternehmen codiert ist. Dann folgt die Produktnummer und am Ende eine Prüfziffer.

  • Ländercode

In den ersten drei Ziffern der EAN-Nummer ist das Land codiert, in dem sie erteilt wurde. Der Ländercode verrät also nicht, wo das Produkt hergestellt wurde sondern nur, in welchem Land der Code angefordert worden ist. Für Deutschland sind die Nummern 400 bis 440 reserviert.

  • Unternehmenskennzeichnung

Die folgenden vier bis neun Ziffern sind die Kennzeichnung des Unternehmens, das den Code bestellt hat. Dieser Code wird nur ein einziges Mal vergeben und erlaubt daher eine eindeutige Zuordnung.

  • Produktnummer

Danach folgt die spezifische Produktnummer. Je nach dem, wie lang die Unternehmenskennzeichnung ist, enthält die Produktnummer drei bis fünf Ziffern.

  • Prüfziffer

Sie schließt die EAN-Nummer ab und erlaubt die Kontrolle ihrer Echtheit. Sie setzt sich wie folgt zusammen: Alle Zahlen der EAN-Nummer werden der Reihe nach abwechselnd mit 1 und mit 3 multipliziert. Die Ergebnisse dieser Berechnungen werden jetzt addiert. Die Prüfziffer ist dann die Differenz dieser Summe zur nächsthöheren Zehnerzahl. Ein Beispiel: Die Addition ergibt die Zahl 54. Die nächsthöhere Zehnerzahl ist die 60. 60 minus 54 ergibt 6 und das ist die Prüfziffer für diese EAN-Nummer.

Nicht verwechseln: EAN und GLN

Auf vielen Produkten findet sich noch eine weitere Nummer, die ebenfalls 13 Stellen hat und daher leicht verwechselt werden kann. Dabei handelt es sich um die sogenannte Global  Location Number GLN, die Auskunft über den Hersteller gibt. Die GLN ist weltweit verbreitet und ermöglicht eine eindeutige Zuordnung des Produkts zu seinem Produzenten. Auch diese Nummer wird oft als Strichcode dargestellt.

Gibt es auch andere Produktcodes?

Eine EAN-Nummer kann für fast alle Arten von Produkten verwendet werden. Ausnahmen sind Bücher, Multimediaprodukte und Software, für die es den speziellen ISBN-Code gibt. ISBN ist die Abkürzung für International Standard Book Number. Das ISBN-System ist mit EAN kompatibel. Es nutzt die Länderkennungen 978 und 979-1 bis 979-9, die damit gekennzeichneten Artikel sind also im „Land der Bücher“ registriert.

Ein weiterer Spezialfall sind Medikamente, Medizinprodukte und andere apothekenübliche Produkte. Sie werden in Deutschland mit der Pharmazentralnummer PZN eindeutig gekennzeichnet.

Wie bekommt man eine EAN-Nummer?

Die Kennzeichnung eines Produktes mit einer EAN-Nummer ist in den meisten Fällen freiwillig. Allerdings bestehen verschiedene Unternehmen wie der Versandhändler Amazon und Handelsketten wie REWE oder Edeka darauf, dass die Produkte mit einer EAN-Nummer gekennzeichnet sind.  Aufgrund ihrer vielen Vorteile, vor allem für die Logistik und die Einbindung in ein Warenwirtschaftssystem, ist sie dennoch auf fast allen Artikeln im Handel zu finden.

Wer seine Produkte damit kennzeichnen will, muss sie bei einer Niederlassung der GS1 bestellen. In Deutschland ist die GS1 Germany dafür zuständig. Die Bestellung kann unter https://www.gs1-germany.de/ean-gtin-barcode/ean-kaufen/ einfach online abgewickelt werden. Dann wird die EAN innerhalb weniger Minuten zugestellt. Die Organisation bietet verschiedene Pakete an, mit denen man bei einem größeren Bedarf an EAN-Nummern einiges sparen kann.

Ist die EAN-Nummer einmal erteilt worden, bleibt sie unbegrenzt gültig. Sie behält auch ihre Einzigartigkeit und ihre Unverwechselbarkeit.